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DE Literatur / literature

In eigener Sache: Mit „Die Außerstandsetzung“ ist mein erster Roman erschienen

Ich habe lange daran gearbeitet, nun ist mein erster Roman im Handel. Hier die Eckdaten:

Titel: Die Außerstandsetzung
Autor: Björn Buxbaum-Conradi
Genre: Entwicklungsroman
Umfang: ca. 44k Wörter
Perspektive: Ich-Erzählsituation
Schauplätze: Frankfurt am Main (insbes. der Flughafen), Lohme auf Rügen und etwas Kassel

Übergeordnete Thematik: Computerkriminalität, digitale Kontrollsysteme, Kryptoware. Daraus resultieren Betrachtungen über Status Quo und Zukunft einer technologisierten Gesellschaft: Verlust von Privatheit, Zunahme psychischer Erkrankungen, neue Mensch-Maschine-Verhältnisse.

Zielgruppe: FSK 18, idealerweise IT-affin und philosophisches Grundinteresse vorhanden

Handlung: Andreas, 33 und durchaus studiert, verliert seine Anstellung aufgrund einer computerkriminellen Gelegenheitstat. Er muss sich fortan mit einfacher Arbeit am Frankfurter Flughafen über Wasser halten. Seine freie Zeit widmet er derweil einem technikkritischen Manifest (das u.a. von Ted Kaczynski beeinflusst ist). Im manischen Streben nach Aufmerksamkeit für seine Schrift setzt er alles daran, um einen weltbekannten, aber alternden Schriftsteller auf seine Seite zu ziehen. Der Beginn einer Radikalisierung.

Stimmen zum Buch:

„Schuld und Sühne am Frankfurter Flughafen. Ein Roman mit Tiefgang, der die Fragen des Informationszeitalters mit dem Schicksal eines enttäuschten Idealisten verbindet.“
Elizaveta Kuryanovich, Autorin

ISBN 978-3-7407-3507-4 | Erhältlich z.B. bei Amazon oder im TWENTYSIX-Shop

Cover (U1)

Cover U1

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DE Kunst / art

Wolfgang Wolff – ein deutscher Künstler im ozeanischen Exil

Nur wenige Sammler ozeanischer Kunst werden Wolfgang Wolff kennen. Er ist keiner der Exilkünstler, die nach 1945 zurück nach Deutschland kamen und für ihren geistigen Widerstand gefeiert wurden. Wolff war politisch, aber kein politischer Künstler. Seine Bilder aus Tahiti zeigen vornehmlich das Milieu der indigenen Bevölkerung. Sie sind oft bunt, immer voller Leben und teilweise auch romantisierend. So archaisch wie zu Zeiten von Gauguin ging es in den Dreißiger- und Vierzigerjahren schließlich allenfalls in abgelegenen Teilen Tahitis zu. Immer mehr Touristen, hauptsächlich aus Frankreich oder den USA, strömten damals auf die Insel. Wolff machte daraus ein Geschäft, indem er im Hafen von Papeete handkolorierte Drucke als Souvenir anbot. Das hier verlinkte Album enthält neben Gemälden und Aquarellen auch solche Arbeiten.

Painting: Tahitian women with ukulele
Wolfgang Wolff – Vahine mit Ukulele, 1938, Aquarell, 19 x 26 Zoll

Bis zu seiner Flucht verläuft die Lebensgeschichte von Wolff eher bürgerlich. Er wurde 1909 in St. Ludwig [Elsass-Lothringen] als Sohn eines Richters geboren, wuchs in Zierenberg bei Kassel auf und studierte Jura in Marburg und Frankfurt am Main. Vor dem Hintergrund der Machtübernahme entschloss er 1934, seine Heimat zu verlassen. Die ersten Jahre auf Tahiti waren zwar von harter Arbeit in fremder Umwelt geprägt – er lebte mit seiner deutschen Frau Hildegard in einer selbstgebauten Hütte – aber es war doch das, was man sich unter einer exotischen Idylle vorstellt. Das änderte sich mit Ausbruch des Krieges. Wolff wurde von den Franzosen aufgrund seiner deutschen Staatsangehörigkeit inhaftiert, zunächst in Fort Taravao [am Isthmus von Tahiti], später auf der kleinen Insel Motu Uta in der Bucht von Papeete. Insgesamt verbrachte er 14 Jahre auf Tahiti. 1948 durfte er gemeinsam mit seiner Familie nach San Francisco ausreisen. Als gebürtigen Deutschen ließ man ihn in den USA jedoch nicht in die Künstlerkreise ein.

Portrait of W.W. / Porträt von W.W.
Wolfgang Wolff, undatiertes Foto

Fortan arbeitete er erfolgreich als Textildesigner. Die von ihm entworfenen Hawaii-Hemden gelten unter Sammlern bis heute als besonders kunstvolle Stücke. Wolfgang Wolff starb 1994 in Los Angeles. Sein auf Tahiti geborener Sohn, Goetz Wolff, ist Dozent für Stadtplanung an der University of California, L.A. Er hat für Frazer Fine Art eine ausführlichere Biographie geschrieben, die ich hier als Download zur Verfügung stelle.

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DE Philosophie / philosophy

Gedanken zu Thomas Nagels „Geist und Kosmos“

„Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist“ – so lautet der provokante Untertitel von Thomas Nagels Werk „Geist und Kosmos“.[1] Schon diese Formulierung signalisiert einen hohen, ja vermutlich überhöhten Anspruch. Nagel richtet sich nicht gegen einzelne Hypothesen der Evolutionsbiologie, sondern gegen das naturalistische Deutungsmodell insgesamt. Dieses besagt, dass alles, mithin auch alles Mentale, aus ungerichteten physikalischen Prozessen hervorgegangen sei. Dagegen lässt Nagel teleologische Erklärungsmuster wieder gelten – nicht restlos überzeugend, wie sich zeigen wird.

Nagel unterscheidet zunächst zwischen drei geschichtlichen Prinzipien, um die Entstehung von Leben, Bewusstsein, Kognition und Werten zu erklären:

kausal | intentional | teleologisch

Innerhalb einer kausalen Geschichte werden diese Phänomene als Resultate zufälliger Variationen und gesetzmäßiger Selektion verstanden, ohne dass es eine Richtung oder ein Ziel gäbe. Bei einem intentionalen Verlauf greift ein Schöpfer an verschiedenen Stellen immer wieder korrigierend oder lenkend ein. Und bei einem teleologischen Geschehen sind die Ziele der kosmologischen Entwicklung bereits in die Anfangsbedingungen eingeschrieben.

Jedes dieser drei Prinzipien kann nach Nagel entweder reduktiv oder nicht-reduktiv gedacht werden. Reduktiv bedeutet, dass komplexe Phänomene vollständig auf einfachere Bestandteile zurückgeführt werden können. Der klassische Naturalismus ist mithin eine reduktive Form des kausalen Prinzips. Auch panprotopsychistische Modelle bleiben letztlich reduktiv, da sie Geistiges in elementaren Bausteinen verorten.

Nicht-reduktiv bedeutet, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile – das klassische Emergenzmodell. Nagel ist jedoch weder vom reduktiven noch vom emergenten Kausalprinzip überzeugt. Beide, so der Einwand, erklärten nicht hinreichend, wie subjektives Erleben und rationale Einsicht aus bloßen Naturprozessen hervorgehen.

Das intentionale Modell verwirft er weitgehend, da er als Atheist ontologisch sparsam bleiben möchte. Stattdessen spricht er sich für eine emergente teleologische Naturordnung aus: Die Natur selbst soll auf Bewusstsein, Vernunft und Werte hin angelegt sein. Nagel formuliert dabei keine ausgearbeitete Theorie, sondern beschreibt lediglich die notwendigen Eigenschaften eines noch zu entwickelnden Erklärungsmodells.

Die Stärke von „Geist und Kosmos“ liegt in der präzisen Diagnose von Erklärungslücken. Selbst wenn wir jedes neuronale Detail des Gehirns kennen würden, so bliebe die Frage offen, warum und wie aus physikalischen Vorgängen subjektives Erleben entsteht. Am Beispiel des harten Problems des Bewusstseins erweist sich Nagels Naturalismuskritik als überaus schlüssig.

Problematisch wird es jedoch bei den Konsequenzen seiner „Naturteleologie“, erfordert diese doch ein indeterministisches Universum, das durch die in den Anfangsbedingungen angelegten Zwecke auf den ‚richtigen‘ Weg gebracht wird. Das mag man annehmen oder nicht; es sollte aber gesagt sein, wie sich der menschliche Wille in ein solches Modell fügt, ohne zu einem bloßen Vollzugsorgan einer im Naturprozess angelegten Bestimmung herabzusinken. Nagel bekennt sich zwar zu einem inkompatibilistischen Freiheitsbegriff, geht aber kaum darauf ein, wie ein als frei gedachter Wille in einem zielgerichtet strukturierten Kosmos überhaupt wirken könnte.

Zudem wäre da noch das Emergenzproblem. Es mag zwar eine schöne Vorstellung sein, dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile sein könnte, aber indem man dies propagiert, schiebt man das Problem nur auf. Statt zu fragen, wie Bewusstsein entsteht, müsste man sich nun mit der Frage befassen, wie Emergenz zustande kommt. Notgedrungen bleibt Nagel auch hier eine Antwort schuldig.

Darüber hinaus vertritt Nagel einen Werterealismus, der davon ausgeht, dass Gut und Böse im selben Sinne existieren wie Bewusstsein und Kognition. Diese These steht jedoch in Widerspruch zu zahlreichen empirischen Befunden, die moralische Vorstellungen als stark kultur- und umweltabhängig ausweisen. Ob Werte im selben ontologischen Sinn existieren wie mentale Zustände, ist überaus fraglich.

Interessanterweise gewinnt man an vielen Stellen den Eindruck, dass Nagel zwischen den Zeilen eine Art negative Theologie betreibt: Er weist materialistische Erklärungen zurück, ohne eine positive Alternative vollständig zu formulieren. Dies kulminiert in seinem bezeichnenden Schlusssatz:

„Des Menschen Wille, zu glauben, ist unerschöpflich.“[2]

Mich konnte Nagels Argumentation nicht vollends überzeugen. Seine Kritik ist scharf, eigene Lösungen bleiben jedoch skizzenhaft. Der Wert seiner Überlegungen liegt an anderer Stelle, regen sie doch dazu an, die Selbstverständlichkeiten des naturalistischen Weltbildes zu hinterfragen. Insofern bleibt das Buch eine Leseempfehlung für jene, die das eigene Weltverständnis nicht als Endpunkt, sondern als Herausforderung begreifen.


[1] Originaltitel: Mind and Cosmos. Why the Materialist Neo-Darwinian Conception of Nature is Almost Certainly False. Oxford University Press, 2012.

[2] Im Original: „The capacity of the human mind to believe is inexhaustible.”

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DE Politik / politics Religion

Gedanken zu Manchester

Jedes Mal die gleichen Zitate.
„Wir lassen uns nicht einschüchtern.“ / „Wir lassen uns nicht spalten.“ / „Der Terror hat nichts mit dem Islam zu tun.“
Also ob der Terror nicht schon längst sein Gift in unser Bewusstsein gepflanzt hätte. Natürlich lassen wir uns spalten. Wenn es so weitergeht, ist es nur eine Frage der Zeit. Auch der Aufwand, der für Sicherheit betrieben wird, insbesondere bei Großveranstaltungen, ist ungleich höher als noch vor ein paar Jahren. Man hat durchaus ein Gefühl des Unbehagens, wenn Polizisten mit Maschinenpistolen den Weihnachtsmarkt sichern. Die potentielle Gefahr wird ja so erst sichtbar. Auch würde ich hier liebend gern mal eine Mohamed-Karikatur posten oder Witze über Pierre Vogel machen. Aber schon während ich das schreibe, merke ich, dass ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen sollte. Denn eines ist klar: Richtige Islamisten verstehen keinen Spaß. Und natürlich hat der islamistische Terror was mit dem Islam zu tun. Die Frage ist halt, was genau. In dem Zusammenhang empfehle ich das Buch „Mohamed“ von Hamed Abdel-Samad. Eines ist jedenfalls sicher: Durch bloße Waffengewalt werden wir den Terror nicht los. Im Gegenteil. Wenn man zurückblickt, so hat sich doch gezeigt, dass man eine Hydra bekämpft, der drei Köpfe nachwachsen, wenn man einen abschlägt. Was können wir also tun? Ziemlich wenig. Denn die Quellen, die die Ideen in die Welt bringen, lassen sich nicht einfach trocken legen. Hassprediger kennen ihren Koran. Doch wie bringt man jemanden dazu, ein Buch so auszulegen, wie es die Mehrheit tut, nämlich friedlich? Der Indoktrinierte glaubt ja, die Worte kämen von Gott höchstselbst. Wieso sollte er also auf menschliche Intervention reagieren, wenn dort glasklar steht, man solle die Ungläubigen bekämpfen, wenn sie den Islam nicht annehmen?
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DE Literatur / literature

Korsika in der Literatur

Jeder, der schon einmal auf Korsika war, weiß um den besonderen Reiz dieser Insel. Kein Wunder, dass die Insel schon früh als Schauplatz für abenteuerliche Erzählungen entdeckt wurde. Französische Autoren des 19. Jahrhunderts besuchten Korsika, darunter Prosper Mérimée, Guy de Maupassant und Honoré de Balzac. Sie schufen Klassiker wie Vendetta, Un bandit corse, Colomba und Mateo Falcone. Im 20. Jahrhundert entdeckten u.a. Henri Thomas und W. G. Sebald die Insel für sich. Ihre Korsika-Erfahrungen finden sich in den Büchern Das Vorgebirge und Campo Santo wieder. Erwähnenswert ist auch das Buch Das Land der Herren von Gabriel X. Culioli, in dem die Geschichte einer korsischen Familie erzählt wird.
In jüngerer Zeit war es Jérôme Ferrari, der die Insel literarisch in den Blick nahm. Er schuf gleich eine ganze Korsika-Trilogie. Der zweite Band, Predigt auf den Untergang Roms, wurde übrigens mit dem Prix Goncourt, dem wichtigsten Literaturpreis Frankreichs, ausgezeichnet.
An dieser Stelle sei noch meine eigene Erzählung Die Inbesitznahme erwähnt. Sie handelt von zwei Brüdern auf Wanderung, die im verlassenen Bergdorf Fiuminale Aufzeichnungen eines Künstlers finden, der dort einige Zeit allein gelebt hat, dann aber spurlos verschwunden ist.

Alle genannten Bücher hier in alphabetischer Reihenfolge, mit der Option sie über Amazon zu beziehen:

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DE Wissenschaft / science

Wie ich nebenbei einen mathematischen Zusammenhang entdeckte …

… der natürlich schon bekannt war, den ich aber nicht kannte. Und das war so: Ich wollte mir eine nerdige Email-Adresse zulegen, und da ich perfekte Zahlen mag, also Zahlen, deren Teiler die Zahl selbst ergeben, wenn man sie aufsummiert, fand ich 28@ als Präfix ganz schön. [1+2+4+7+14=28]. Um dem Ganzen eine besondere Note zu geben, stellte ich 28 binär da, das sieht dann so aus: 11100. Vorher hatte ich aber schon die 6 getestet, die auch perfekt ist. Diese sah binär so aus: 110. An dem Punkt dachte ich dann: Moment mal, da scheint es ein Muster zu geben. Ich gab die nächste perfekte Zahl [496] in den Umrechner ein. Das Ergebnis war das erwartete: 111110000. Alle drei perfekten Zahlen hatten also die gleiche Binärstruktur. Das konnte unmöglich ein Zufall sein. Ich testete weitere Zahlen und das Muster setzte sich fort. In der binären Perspektive konnte man also unmittelbar erkennen, dass diese Zahlen eine besondere Struktur haben. Ich experimentierte etwas weiter rum, indem ich Binärzahlen, die noch symetrischer sind, in Dezimal umrechnete, nämlich binäre Repdigits: 11=3, 111=7, 1111=15, 11111=31. Dann googelte ich die Zahlenfolge 3, 7, 15, 31 und siehe da: Es handelte sich hierbei um Mersenne-Zahlen. Das war verblüffend. Ich fragte mich, ob es vielleicht einen Zusammenhang zwischen den verschiedenen symmetrischen Binärzahlen geben könnte, und stöberte in der Wikipedia. Und tatsächlich: Perfekte Zahlen und die Primzahlen unter den Mersenne-Zahlen haben eine Verbindung, die schon Euklid vermutet und Euler spezifiziert hatte: Alle geraden perfekten Zahlen [ob es ungerade gibt, ist offen] können mithilfe von Mersenne-Primzahlen erzeugt werden. Da man bisher aber erst 49 Mersenne-Primzahlen kennt, kennt man auch erst entsprechend viele perfekte Zahlen. Die Frage, ob es unendlich viele Mersenne-Primzahlen [und entsprechend viele perfekte Zahlen] gibt, ist übrigens weiterhin offen.

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DE Wissenschaft / science

Stephen Hawking überbewertet?

Geburtstag hin oder her. An dieser Stelle darf auch einmal erwähnt werden, dass Stephen Hawking nicht unbedingt DER Physiker unserer Zeit ist. Er ist auch durch sein besonderes Schicksal zum Star geworden. Zudem verstand er es, populärwissenschaftliche Bestseller zu schreiben.
Seine größte Leistung, die quantenmechanische Beschreibung schwarzer Löcher, stammt aus den 70er Jahren [Particle Creation by Black Holes, 1975]. Nach dieser geben schwarze Löcher eine Strahlung ab: die nach ihm benannte Hawking-Strahlung. Empirisch nachgewiesen wurde dieses Phänomen bislang nicht, einfach weil wir keinen Zugang zu schwarzen Löchern haben. Es herrscht allerdings Konsens darüber, dass sich der Effekt aus Quantenfeldtheorie und Relativitätstheorie ableiten lässt.
Einen Namen machte sich Hawking bereits 1966 durch die Formulierung von Singularitäten-Theoremen, die er in den nachfolgenden Jahren gemeinsam mit Roger Penrose weiter ausarbeitete.
In den 80ern entwickelte er gemeinsam mit James Hartle kosmologische Theorien über die Randbedingungen des Universums [siehe „no boundary proposal“ der Quantenkosmologie]. Außerhalb der Hawking-Schule werden diese aber nicht als valide angesehen. 2004 machte er noch einmal wissenschaftliche Schlagzeilen, als er behauptete, das sogenannte „Problem des Informationsverlusts Schwarzer Löcher“ gelöst zu haben. Die wissenschaftliche Community konnte er damit aber nicht überzeugen [siehe hier]. Das Problem gilt immer noch als ungelöst.
Hawking ist ein großer theoretischer Physiker … gewesen, muss man wohl sagen, denn in den letzten Jahren ist er primär als Celebrity in Erscheinung getreten. Es gibt mindestens ein halbes Dutzend Physiker, die ebenso viel oder mehr geleistet haben. Ein paar Namen seien genannt: Alain Aspect, Peter Higgs, Gerardus ’t Hooft,  David Gross, Steven Weinberg, Edward Witten … Aber selbst die Nobelpreisträger, zu denen Hawking übrigens nicht gehört, kennt kaum einer außerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Anyway: Happy Birthday Stephen! Ihr Durchhaltevermögen und Lebenswille trotz ALS ist bewundernswert und verdient größten Respekt!

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DE Filmkritik / film review

Warum man den Film „Der Englische Patient“ gesehen haben sollte.

Vor 20 Jahren kam „The English Patient“ in die Kinos. Für mich ist der Film immer noch der beste Liebesfilm überhaupt und einer der besten Filme, die ich bisher gesehen habe. Ralph Fiennes spielt so abgöttisch gut. Kristin Scott Thomas und Juliette Binoche – ein Traum, und selbst die Nebenrollen sind mit Willem Dafoe, Colin Firth, Jürgen Prochnow u.a. hervorragend besetzt. Der heute bekannte Regisseur Sebastian Schipper [„Victoria“] hat übrigens auch eine kleine Rolle.
Regisseur Anthony Minghella [2008 viel zu früh verstorben] hat mit dem Film ein Vermächtnis geschaffen. Jede Einstellung ist so perfekt, dass man fast meinen könnte, Kubrick hätte hier mitgewirkt. Zudem hat er es geschafft, eine gute, aber schwer lesbare Romanvorlage, so umzusetzen, dass man das Buch von Michael Ondaatje gar nicht mehr anrühren will, und das will was heißen. Dann die wirklich sehr gute, zeitlose Filmmusik von Gabriel Yared, die ergänzt wird von zeitgenössischer Musik aus den Dreißigern [Swing / Jazz], sowie der Aria aus den Goldbergvariationen [Binoche am Klavier]. Hinzu kommt, dass die Geschichte teilweise auf wahren Begebenheiten beruht, so dass der interessierte Fan sich auch mit dem Leben des echten englischen Patienten [Ladislaus Almásy, gleicher Name wie im Film] befassen kann. Er hat tatsächlich als erster die sogenannte Höhle der Schwimmer mit 4.000 Jahre alten Felszeichnungen entdeckt und beschrieben – und damit indirekt nachgewiesen, dass einst andere klimatische Verhältnisse in Teilen der Sahara herrschten. Neben der Lektüre von Sekundär- und Primärliteratur [Almásy hat seine Expeditionen umfangreich dokumentiert] ging meine Obsession sogar soweit, dass ich sein Grab in Salzburg aufsuchen wollte, als ich gerade dort war. Es war mitten im Winter und ich habe es nach einer ewigen Suche aufgegeben, denn der Salzburger Hauptfriedhof ist groß. Aber ich habe es versucht. So, das wollte ich anlässlich des 20-jährigen Jubiläums doch mal loswerden.

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DE IT-Kram / computer stuff Kryptowährungen / cryptocurrencies

Krypto-Mining – Entwicklung und Status Quo

Mining ist der aufwändige Rechenprozess, durch den Kryptocoins wie Bitcoin entstehen. [Bitcoin ist die erste und wichtigste Kryptowährung, es gibt aber noch zahlreiche Alternativ-Währungen]. Das Mining ermöglicht es, die Integrität der sogenannten Blockchain zu wahren, indem jede Transaktion kryptologisch überprüft und ein öffentliches Transaktionsverzeichnis aufgebaut wird.
Zu Beginn der Bitcoin-Ära war es noch profitabel, Bitcoins mit einem PC zu minen. Da die Energie, die benötigt wird, um eine einzelne Münze zu produzieren, jedoch stetig steigt [siehe Difficulty], ist es heute nicht mehr sinnvoll, den eigenen PC und / oder leistungsstarke Grafikkarten zu nutzen, da die Stromkosten weitaus höher sind. Selbst wenn man sich mit anderen Minern „verbündet“ und einen sogenannten Mining-Pool bildet, ist es schwer profitabel zu sein. Das funktioniert nur, wenn man neueste Geräte besitzt, die speziell fürs Mining konzipiert wurden [sogenannte ASICs], und die Kosten für Strom und Kühlung gleichzeitig gering sind. Hinzu kommt, dass die Mining-Ausschüttungen innerhalb absehbarer Zyklen halbiert werden [siehe Halving], da es nur endlich viele Coins geben kann. [Im Falle der Bitcoin-Währung sind das 21 Millionen Einheiten].
Aus diesen Gründen hat sich in den letzten zwei Jahren das sogenannte Cloud-Mining entwickelt. Um weiterhin profitabel minen zu können, gründeten sich Unternehmen, die das Mining an Orte verlegten, in denen der Strom günstig und die Bedingungen für die Kühlung ideal sind [u.a. nach Island]. Dort wurden dann im großen Stil ASIC-Mining-Geräte installiert, so dass man von einer Mining-Farm sprechen kann.
Finanziert wird das Mining nun von den Kunden, die Rechenpower [Hashpower] anmieten. Das Mining hat sich also in die Cloud verlagert. Ins Cloud-Mining lässt sich wesentlich flexibler investieren, da kein komplettes Gerät gekauft werden muss. Auch kleine Mengen Hashpower können erworben werden. Das macht auch eine Diversifikation einfacher, denn das parallele Minen unterschiedlicher Kryptowährungen ist nun ein Kinderspiel.
Die führenden Anbieter verwenden neueste Technologien und können die entsprechenden Geräte natürlich auch günstiger einkaufen. Schließlich macht es einen Unterschied, ob man nur einen ASIC-Miner erwirbt oder gleich tausende. Der Erlös ist beim Cloud-Mining meist deutlich höher als beim Heimbetrieb. Er könnte noch höher sein, aber einen Teil behält der Anbieter natürlich ein. Bei guter Kursentwicklung ist es aber eine Win-Win-Situation. Zudem muss man sich als Cloud-Miner weder um Strom, Wartung oder Hardware-Updates kümmern. Das leistet alles der Anbieter.

Gefährlich könnte es werden, wenn ein Cloud-Mining-Anbieter mehr als 50% der gesamten Hashpower einer Währung auf sich vereint, dann wäre eine Manipulation der Blockchain nicht mehr ausgeschlossen. Das ist ein Szenario, über das sich die Entwickler mittlerweile intensiv Gedanken machen.

Noch zwei Sätze zu Ethereum: Die Ethereum Plattform ist in gewisser Weise der erste „Weltcomputer“. Realisiert als dezentrales Netzwerk kann die Plattform von jedem genutzt werden, um Anwendungen ohne Möglichkeit der Ausfallzeit, Zensur oder Betrug laufen zu lassen.
Ether, die systemeigene Währung von Ethereum, ist neben Bitcoin die am schnellsten wachsende Kryptowährung. Noch steht Ethereum am Anfang. Wie wichtig die Plattform werden wird, ist noch nicht absehbar. Optimisten sprechen aber schon vom Web 3.0. Wenn Sie also Freude an einem Risiko-Investment haben, dann spekulieren Sie in Ether. Die Chancen, dass Sie damit in ein großes Zukunftsprojekt investieren, stehen nicht schlecht. Den Totalverlust kann man aber leider nicht ausschließen. Das gilt aus bekannten Gründen [Hacker, potentielle Sicherheitslücken, Regulierung oder Verbot durch Behörden, Internetausfall] übrigens für alle Kryptowährungen.

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DE EN Filmkritik / film review

Ich seh Ich seh – die Auflösung / Goodnight Mommy – the denouement

Blog-Artikel in Deutsch [English version below]

[enthält Spoiler]

Der Film „Ich seh Ich seh“ [im Engl. Goodnight Mommy] ist verstörend und rätselhaft, die Handlung verworren und schwer auflösbar. Hat Elias seinen Zwillingsbruder Lukas die ganze Zeit über bloß imaginiert? Ist dieser schon vor einiger Zeit bei einem Unfall ums Leben gekommen? Die letzten Worte der Mutter und die Anfangsszene, in der Lukas beim gemeinsamen Schwimmen mit seinem Bruder verdächtig lange untertaucht, legen das nahe. Aber wie kommt es, dass Elias seine Mutter in der Person, die vorgibt seine Mutter zu sein, nicht mehr wiedererkennt? Lässt er sich von dem Verband täuschen, der lange Zeit ihr Gesicht verdeckt? Ist es ihr immer strenger werdendes und nicht gerade liebevolles Verhalten? Was hat es mit dem Foto auf sich, auf dem zwei identisch aussehende Frauen nebeneinander zu sehen sind, die gleichen Klamotten tragend? Hatte die Mutter eine Zwillingsschwester? Wurde das Muttermal, das sie eindeutig identifiziert hätte, wirklich „gleich mit entfernt“, während sie im Krankenhaus war? Wie kam es eigentlich zur ihrer Gesichtsverletzung? Warum weiß sie nicht, welches Schlaflied Elias am liebsten hört? Andererseits, warum sollte eine geheime Zwillingsschwester die Rolle der Mutter einnehmen und die Jungen fortwährend belügen? Das ergäbe wenig Sinn.
Die Lösung besteht wohl tatsächlich darin, dass die Mutter die echte Mutter ist und Elias ein Trauma durchlebt, in dessen Verlauf ihm der imaginierte Bruder Zweifel an ihrer Identität einflüstert.
Doch ein Detail, das mir erst beim zweiten Sehen ins Auge gefallen ist, möchte ich noch erwähnen …

Bei der Recherche bin ich wiederholt auf die Bemerkung gestoßen, dass das Haus, das in einer der letzten Szenen von der Feuerwehr gelöscht wird, nicht das aus der Haupthandlung sei. Das ist falsch. Es ist lediglich ein anderer Blickwinkel. Wir sehen immer das gleiche Haus. Die unten beigefügten Bilder belegen dies. Und hier habe ich etwas bemerkt. Schauen Sie sich die Lösch-Szene noch einmal genau an. Achten Sie nicht auf das Feuer. Schauen Sie nach links. Sehen Sie die Frau, gekleidet in einem hellen Kleid, die sich langsam ins Bild bewegt? Sie hält inne, starrt einen Moment Richtung Feuer und verschwindet wieder in der Dunkelheit …

In der letzten Szene sieht man, wie sich die Brüder mit der Frau vereinigen. Sie läuft ihnen aus der Dunkelheit kommend im hellen Kleid entgegen. Es ist die geliebte Mutter. Gemeinsam singen sie „Sag mir wieviel Sternlein stehen“, das Schlaflied, das Lukas so mag. Ich seh, ich seh. Zumindest das imaginierte Ende fällt gut aus.

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English Version

[spoiler alert]

The film Goodnight Mommy [German title „Ich seh Ich seh“] is disturbing and mysterious, the plot confusing and difficult to resolve. Has Elias only imagined his twin brother Luke throughout the movie? Did he die in an accident some time ago? The last words of the mother and the initial scene, in which Luke is swimming with his brother and suspiciously long submerges, support this assumption. But how does it happen that Elias no longer recognizes his mother in the person who claims to be his mother? Is he fooled by the bandage that conceals her face for a long time? Is it her almost draconic and unloving behavior? What about the photo that shows two identical-looking women side by side wearing the same clothes? Does the mother have a twin sister? Was the birthmark, that would have identified her, really removed while she was in hospital? What caused her facial injury anyway? Why can’t she recall, which is the favorite lullaby of Elias? On the other hand, why should a secret twin sister slip into the role of the mother, lying constantly to the boys? That wouldn’t make much sense.
I think the assumption that the mother is actually the real mother is correct. Knowing the end we must conclude that Elias is going through a psychotrauma, in which the imaginary brother whispers doubts about her identity to him.
But there is still one detail that needs to be mentioned. It only caught my eye when I saw the movie for a second time …

While searching online I repeatedly encountered the comment that the house, which is extinguished in one of the last scenes by firemen, is not the one of the main plot. This is wrong. It’s just a different point of view. We always see the same house. The screenshots below prove this. And at this point I noticed something. Watch the extinguishing scene again. Do not pay attention to the fire. Look to the left. Do you see the woman in a bright dress moving slowly into the scene? She stops, stares a moment towards the fire and disappears in the darkness again …

In the final scene we see the two brothers and the woman reuniting. She is approaching them out of the the dark wearing the bright dress. It is their beloved mother. Together they sing the favorite lullaby of Lukas. I see, I see. At least the imagined end is a happy end.

Bilder / Images

Einzelbilder / frames
Einzelbilder aus dem Film „Ich seh Ich seh“ / film frames from the movie „Goodnight Mommy“. Click for full size / Klicken für Vollbild / image credit: Koch Media